Ansprache der DFG-IdK beim Hamburger Ostermarsch
 

Vor fast 66 Jahren wurde in England der erste Ostermarsch durchgeführt - gegen Nuklearwaffen. Die Menschen marschierten von London nach Aldermaston. An diesem ersten Marsch beteiligten sich auch Menschen anderer Länder, auch aus Deutschland. Dieser gemeinsame internationale Protest gegen Nuklearwaffen, Rüstung, Kriegsdrohungen von Regierungen und Militärblöcken führte nach dem Marsch nach Aldermaston zu entsprechenden Ostermärschen in vielen Ländern.
Seit Jahrzehnten sind auch in unserem Lande jüngere und ältere Menschen zu diesem Anlass protestierend und mahnend unterwegs, Gewalt als Mittel der Politik abzuschaffen.

Am Ende des 2. Weltkrieges war der überwiegende Teil unserer Bevölkerung überzeugt: Kriege darf es nie wieder geben! „Wer noch einmal eine Waffe anfast, dem soll die Hand abfallen“, sagte damals der führende bayrische CSU-Politiker Franz Joseph Strauß. Ihm fiel aber nicht die Hand ab, als er sich später machtsicher als sogenannter Verteidigungsminister der BRD zu der wachsenden militärischen Bedeutung im westlichen Bündnis stolz äußerte:
„Wir sind wieder wer.“ ——

Zwischen den damaligen Kriegspartnern gegen das nationalsozialistische Dritte Reich und seiner verbrecherischen Führung wuchsen schon Ende der 40er Jahre ideologische und militärische Spannungen. Der erste deutsche Nachkriegskanzler bot der damaligen US-Regierung ohne Absprache mit seinem Kabinett den Wiederaufbau deutscher Truppen an. Offiziere, die vorher ihren Eid auf Hitler abgelegt hatten, wurden die Ausbilder der ersten Jahre der Bundeswehr. Das Parlament beschloß 1955 die Gründung der Bundeswehr zum 1.1. 1956. Alternativ hierzu wurde ein „Ersatzdienst“ beschlossen, für alle, die aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe ablehnen würden. Die allgemeine Wehrpflicht, wie der heute Zivildienst genannte Ersatzdienst, sind Zwangsdienste. Sie müssen abgeschafft werden!

Schwächere in unserem Lande und in den vielen armen Ländern der sogenannten Dritten Welt brauchen unsere Hilfe. Wir befürworten Einsätze auf freiwilliger Basis. In unserem Lande würde das Ende der Ersatzdienste zu neuen Ausbildungs-und Arbeitsplätzen im Sozial-, Gesundheits- und Pflegebereich führen. Mit der in einigen Jahren von vielen erwarteten Abschaffung der Wehrpflicht und des heute sogenannten Zivildienstes sind die Gefahren internationaler militärischer Konflikte noch nicht behoben. Die Gefahr für Krieg und Flächenbrände ganzer Regionen und die wachsende Unsicherheit in den USA, Europa und östlichen Bereichen sind das Ergebnis rücksichtsloser Großmachtsinteressen. Militärische und wirtschaftliche Überlegenheit werden benutzt, die übrige Welt immer abhängiger werden zu lassen. Institutionen, die angeblich Sicherheit schaffen, wie der heute größte Militärpakt NATO, sind gefährliche Machtinstrumente. Ihre Führungsmacht beendete einseitig den ABM-Vertrag mit Russland, rüstet den Weltraum auf, möglichst mit Stationen auf anderen Planeten zur totalen Beherrschung unseres Planeten.
Statt der Zweitschlagstheorie nach einem Angriff eines anderen Staates, verkündet die Regierung des Herrn Bush ihr angebliches Recht zu Präventivkriegen, wie erlebt. Falls irgendein Staat der von den USA betriebenen Rüstungs- und Vernichtungsforschung auch nur in geringsten Ansätzen entsprechen könnte, nimmt sich die gegenwärtige Regierung der USA das Recht, das entsprechende Land mit seiner militärischen Überlegenheit zu überfallen.

Wir wollen keine kriegsbereite Weltherrschaft - und zum Wohl der Völker werden wir diesen Machtlüstigen nicht dienen!

Wir sind gewarnt durch zwei Weltkriege, die durch deutsche Großmachtsgelüste Zerstörung, Elend und Tod für Zigmillionen Menschen brachten.
„Von deutschen Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen“ hieß es nach dem 2. Weltkrieg. Das Grundgesetz Artikel 26 verbietet jeden Angriffskrieg und stellt auch dessen Vorbereitung unter Strafe.
Unsere rot-grüne Regierung verstieß in Ex-Jugoslawien gegen diesen Artikel und blieb erwartungsgemäß straffrei.
Die militärpolitischen Richtlinien des ehemaligen Verteidigungsministers Rühe, CDU, wie auch die entsprechenden Ausführungen des SPD-Ministers Struck bestimmen den Einsatz deutscher Soldaten in anderen Ländern, zur „Wahrung deutscher Interessen.“ Herr Dr. Struck sagte, er könne sich die Verteidigung Deutschlands auch am Hindukusch vorstellen. Mit unserem Grundgesetz hat dies nichts zu tun! Genauso könnte man sich vorstellen, daß z.B. Somalia, der Senegal oder Bolivien ihre Interessen in Deutschland zu recht militärisch vertreten wollten, um an der Weltindustrie teilzuhaben.

Den Menschen der westlichen Welt wird eingeredet, man führe Kriege, Menschen zu helfen, sie von Diktatoren und Terrorristen zu befreien. Die Wirklichkeit zeigt: Es geht nur um eigene Interessen. Es ist der ungehinderte Zugang zu Rohstoffquellen, wie z.B. Erdöl. Die Zahl der Terrorristen und deren menschenverachtende Taten sind erst durch die aggressive Großmachts-Interessenpolitik multipliziert worden.

Wir wollen eine friedliche Welt ohne Ausbeutung der Armen durch reiche Staaten. Wir wollen keinen Kolonialismus mit neuem Kleid.
Dazu ist sozialer Ausgleich erforderlich ohne Profitdenken und militärische und politische Pressionen. Das bedingt auch ein Ende der Arroganz einer vermeintlichen Überlegenheit der westlichen Welt. Das bedeutet auch Respekt vor anderen Kulturen und Lebensformen. Das bedeutet auch Gleichberechtigung der Völker, wie es die Vereinten Nationen bestimmten.
Gewalt gegenüber Menschen und Töten von Menschen wird im zivilen Rahmen als Verbrechen bestraft.
Die gleiche Handlung wird in Kriegen mit Orden und Auszeichnungen belohnt.
Wir Kriegsdienstverweigerer der Deutschen Friedensgesellschaft - Internationale der Kriegsdienstgegner e.V. und mit uns Friedensfreunde hier und in vielen Ländern der Erde halten Kriege und deren Vorbereitung für Verbrechen und werden uns daran nicht beteiligen, sondern deren Handlung mit friedlichen Mitteln bekämpfen.
Deutsche Politiker betonen häufig, entsprechend der Bedeutung Deutschlands in der Welt Rechnung zu tragen, und Einfluß zu nehmen. —— Damit stimmen wir überein, aber offenbar mit anderen Schlußfolgerungen: Wir verstehen „Landesverteidigung“ als Brückenbildung zu angrenzenden Staaten, gegenseitige Hilfe, kulturellen und wirtschaftlichen Ausgleich, mit wachsendem Verständnis für einander. Dies sollte auch unser Handeln bestimmen, gegenüber Menschen und Staaten anderer Weltregionen.

Militär und wirtschaftliche Macht können Angst, Mitläufer und Untertanen fördern. Wir wollen Vertrauen fördern. Darum lehnen wir Gewalt als Mittel der Politik ab und werden ihr nicht dienen.
Menschen in vielen Ländern wollen sich nicht mehr mißbrauchen lassen. Wir Frauen und Männer lassen uns nicht zum Töten ausbilden. Wir wollen eine zivilisierte Welt mit den Vereinten Nationen, die nicht nach Belieben ausgeschaltet wird, wenn es Großmachtsinteressen entspricht.
Auch wenn es manchem nicht bewußt sein mag: Soldaten dienen nicht dem Frieden sondern Wirtschafts- und Machtinteressen. Rüstungsindustrie und deren Export, auch von Hamburger Unternehmen, entzieht Menschen der Empfängerländer Wirtschaftskraft, die in Sozialbereichen fehlt und gefährdet sie.
Der soziale Umbau in Deutschland trifft überwiegend die Ärmeren, während eine Anzahl Mitbürger in sogenannten Führungspositionen zu beachtlichen Einnahmen mit Steuererleichterungen belohnt werden.

Wir fordern für den Erhalt unseres Sozialstaates:
• Abbau statt Aufbau unseres Rüstungsetats,
• Auflösung der sogenannten internationalen Einsatztruppe mit Frankreich und anderen Ländern, Beendigung der NATO als Kriegsinstrument,
• Aufgabe der europäischen militärischen Weltraumforschung, Rückführung aller deutschen Soldaten aus anderen Ländern,
• Einsatz freiwerdender Mittel für Bildung, Kranken- und Pflegeeinrichtungen, Sozialversorgung und internationalen Austausch.
Vergesst nicht: unser aller Friedenseinsatz ist jetzt und künftig unverzichtbar !
Günther Kahl, DFG-IdK

Kontakt und Information:
mittwochs 19 bis 21 Uhr
Telefon 040 - 45 34 33

 

 
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