Agression und Gewalt
 
   

 

 
Was wir beeinflussen können und was nicht:
Über Aggression und Gewalt - Von André Martens

Gewaltprävention und Friedenserziehung sind gerne verwendete Begriffe heutzutage. Kinder erhalten an einigen Schulen bereits von klein auf eine Erziehung, die auf das Abtrainieren so genannter aggressiver Charakterdispositionen abzielt. Insbesondere Jungen geraten vielfach unter Generalverdacht, kleine Bestien zu sein, die es zu zähmen gilt. Ich argumentiere dafür, die Begriffe "Aggression" und "Gewalt" nicht voreilig über einen Kamm zu scheren.
"Friedenserziehung" sollte nicht als das blinde Abtrainieren von ,"aggressiven Tendenzen" verstanden werden, sondern als das Eingreifen insbesondere in diejenigen gesellschaftlichen und politischen Strukturen und Institutionen,
die Gewalt fördern oder provozieren, und die wir tatsächlich wachbewusst kontrollieren und verändern können.
Wir Menschen sind Wesen, die in einen evolutionären Prozess eingebunden sind. Gene, aber auch trainierte, von unserer Umwelt gewissermaßen abgeguckte, übernommene, erlernte Verhaltensweisen beeinflussen, wie wir handeln und Entscheidungen fällen. Aber nicht nur diese, sondern ganz generell auch die Art und Weise, wie wir denken, fühlen und was wir positiv oder negativ bewerten. Damit ist keine Wertung ausgesprochen, sondern eine Tatsache. Üblicherweise erfreut uns der Anblick schöner Blumen oder erregt das Leid eines uns nahen Menschen Mitgefühl und Mitleid in uns. Das ist völlig natürlich und nicht direkt steuerbar, ohne dass ein wesentlicher Aspekt unseres Menschseins verändert würde.
Auch natürlich ist das menschliche Bedürfnis, sich abzugrenzen, sich zu schützen, dafür einzutreten, dass die eigenen Grenzen bewahrt werden und niemand unseren Willen infiltriert und manipuliert. Menschen, die das nicht können, verlieren ihre Individualität, verlieren sich als Individuum, handeln gegen ihre tiefsten, ureigenen inneren Bedürfnisse und werden letztlich psychisch krank. Ein gesunder Mensch ist fähig, sich abzugrenzen, seine Integrität zu bewahren. Überspitzt gesagt: Er kann Nein! sagen und dafür einstehen. Auch zum Beispiel Nein! zum Wehrdienst, Nein! zur Vereinnahmung und Ausbeutung durch andere Menschen. Eine Stimme und einen Willen, der sich nicht brechen lässt, der sich nichts von anderen ohne eigene Zustimmung aufzwingen lässt. Vielleicht ein wenig eigenwillig mag sich nun folgende These anhören: All das sind letztlich natürliche, notwendige und auch ausdrücklich AGGRESSIVE Verhaltensweisen.
Aggression ist nicht gleich destruktiv!
Und wichtiger: Aggression ist nicht gleichbedeutend mit Gewalt, die im Gegensatz zur Aggression eher eine Schädigung anderer Menschen und Lebewesen, als die Wahrung der eigenen Integrität, wie im Falle der Aggression, darstellt. Gewalt schießt - heutzutage im wahrsten Sinne des Wortes - über das Ziel hinaus,
sich abzugrenzen und die eigene Integrität zu bewahren. Gewalt stößt vor in Regionen, die nichts mehr zu tun haben mit der Wahrung des eigenen Menschseins.
Es ist eine große, nicht leicht zu beantwortende Frage, warum wir Menschen nicht lediglich beizeiten aggressive, sondern überdies grausam gewalttätige Wesen sind. Wir Menschen haben die Gewalt, was vielleicht noch am fatalsten ist,
kultiviert, institutionalisiert, organisiert (im Tierreich sind allenfalls die Schimpansen meiner Definition nach auf eine vergleichbare Art organisiert gewalttätig, auch sie ziehen teilweise in Kleingruppen in einen "Krieg", morden, entführen und vergewaltigen). Länder investieren Unsummen für Kriegsgerät, Truppenausbildung und Soldaten. Wir alle wissen, dass sich Kriege verselbstständigt haben, dass es gelinde gesagt schwer fällt, einen Sinn, einen Grund, geschweige denn eine Legitimation auszumachen, wenn es die denn jemals gäbe.
Welche Lehre können wir aus diesen kurzen, sicherlich unvollständigen Gedanken ziehen? Zum einen, dass es Tendenzen in uns gibt, die gewiss forsch und rau sind, aber menschlich. Und dass der Mensch wohl im Laufe seiner "Entwicklung" diese Tendenzen übersteigert und schließlich institutionalisiert hat. Das Ergebnis sind Kriege, Gewalt und unendliches Leid. Gewaltprävention sollte insbesondere auf der Ebene der Institutionen ansetzen. Diese sind es, die wir wachbewusst als Bürger einer Demokratie gestalten können. Und dazu gehört
nicht zuletzt auch individuelle Aufklärungsarbeit, wie wir sie seit Jahren leisten, denn wir einzelnen Menschen sind es letztlich, die alle staatlichen und anderen Institutionen passiv dulden oder aktiv reformieren und gestalten.
 

 

 
 

 

Zum Thema Gewalt

Eine Anfrage an SchülerInnen ab Klasse 10

Uns interessiert Eure Einstellung zur Gewalt. Wir bitten euch daher um eine kurze, schriftliche Stellungnahme (halbe bis eine Seite) zu einem Thema aus der folgenden Liste:

  • Gewalt zwischen verschiedenen Staaten und innerhalb eines Landes
  • Ursachen der Gewalt
  • Krieg und Frieden im Allgemeinen

Warum interessieren Euch derartige Fragen? Was sind Eure Vorstellungen (und Wünsche) und was Eure Forderungen an a) Staatsführungen, b) Eure Mitbürger, c) Euch selbst?

Wir würden uns riesig über Zusendungen freuen: entweder per Post, Email oder persönlich mittwochs abends ab 19 Uhr vorbeigebracht! Unsere Adresse: DFG-IdK, Jungfrauenthal 37, 20149 Hamburg. Gerne würden wir Eure Beiträge zu einem kleinen Heftchen zusammenfassen, Eure Erlaubnis vorausgesetzt. Vielleicht könnt Ihr ja auch Lehrkräfte an Euren Schulen, Freunde und Bekannte dazu anregen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?! Wenn Ihr mehr über uns erfahren wollt, kontaktiert uns einfach.

Gerne besuchen wir auch Schulen und diskutieren mit Euch und Anderen über Themen wie Krieg und Frieden, Kriegsdienst und Gewalt(prävention). Wir sind offen für Mitwirkende unserer Friedensarbeit und für Anregungen!

Eure DFG-IdK